22.09.2020
CSU blockiert Dringlichkeitsantrag der FREIEN WÄHLER zur Reaktivierung von Bahnstrecken

Eibl: ÖPNV und Schiene werden im ländlichen Raum immer wichtiger

München/Perlesreut. Beispielsweise gehört die Waldbahn zwischen Gotteszell und Viechtach im Kreis Regen zu den schönsten Bahnstrecken Bayerns. Doch ist die Zukunft der Linie ungewiss. Um diese und weitere Bahnverbindungen für ländliche Regionen auch künftig zu erhalten, will die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion die Kriterien für die Reaktivierung von Bahnstrecken ändern, stärker und an die individuellen Begebenheiten vor Ort anpassen. Das hatten die Abgeordneten bei ihrer Herbstklausur mit einer Resolution beschlossen. Doch jetzt hat der Koalitionspartner die Pläne der FREIEN WÄHLER auf Eis gelegt.
 
„Das bisherige Kriterium, wonach werktäglich mehr als tausend Reisende pro Streckenkilometer die Strecken nutzen müssen, greift zu kurz“, betont Manfred Eibl, verkehrspolitischer Sprecher der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion. In urbanen Ballungsräumen und deren Umland sei eine solche Bemessungsgröße sinnvoll; der Realität ländlicher Regionen werden sie aber nicht gerecht. „Nimmt man den Tagesdurchsatz als eine wesentliche Richtgröße, kann das gerade in ländlichen Regionen zu einer starken Einschränkung der Mobilität vor Ort führen. Das ist nicht im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse“, so Eibl.
 
Auch der demographische Wandel, sprich die Altersstruktur, der um die fraglichen Nebenstrecken ansässigen Bevölkerung müsse, Eingang in die Bewertung finden. Das gilt besonders für Räume mit besonderem Handlungsbedarf. Auch touristische Verkehre, die saisonal unterschiedlich stark nachgefragt werden, werden durch die Tausender-Marke zu wenig berücksichtigt. „Deshalb hatten wir vorgeschlagen, die Bemessungsgrenze für jede der drei Einflussgrößen – demographische Wandel, Raum mit besonderem Handlungsbedarf und Tourismus – um zehn Prozent zu reduzieren, wenn diese vor Ort zutreffen.“ Bereits im Sommer hatte sich die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion dafür ausgesprochen, Bahnnebenstrecken, die einen lokalen Beitrag zur Verkehrswende und damit zur Verbesserung der Mobilität leisten, zu erhalten. „Bei vielen dieser Bahnen, die regional große Akzeptanz erfahren, handelt es sich um eine wichtige Grundlage, um die täglichen öffentlichen Bedarfe erfüllen zu können. Sie stellen im Rahmen des örtlichen Tourismus zudem einen erheblichen Wirtschaftsfaktor dar.“ So Eibl. 
 
Eibl hofft nun, dass sich der Koalitionspartner noch umstimmen lässt: „Gerade im ländlichen Raum stehen wir vor dem Problem, dass das Angebot öffentlicher Nahverkehrsleistungen sinkt, während der Anteil der Menschen, die aus Alters- oder Kostengründen auf ein eigenes Auto verzichten, steigt.“ Ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr mit Schienennahverkehr gewinne daher gerade in abgelegenen ländlichen Regionen an Bedeutung. „Zumal wir durch gute Mobilitätsangebote auf dem Land auch die Ballungsgebiete entlasten können“, so Eibl abschließend. 
 

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